Amazon-Affäre: Free Software Foundation fordert freie E-Books

Von am 27. Juli 2009 1 Kommentar 

amazon-kindle-6-zollAmazon-Chef Jeffrey P. Bezos hat sich in höchsten Tönen entschuldigt für das Löschen elektronischer Bücher. Die Probleme löst das nicht.

Öffentlichkeitwirksamer als mit dem Löschen von George Orwells „1984“ sowie „Animal Farm“ hätte Amazon nicht darauf hinweisen können, dass E-Books eben nicht verkauft werden wie das gute alte Buch auf Papier. Sondern letztlich nur verliehen werden und unter der ständigen Kontrolle einer ausgefeilten digitalen Rechteverwaltung bleiben.

Heute verspricht Amazon, sich in Zukunft nicht mehr so „dumm, gedankenlos und schmerzlich weit entfernt von unseren Prinzipien“ zu verhalten. „1984“ wird also nicht mehr heimlich gelöscht werden nach einer dummen Copyright-Panne. Das ändert aber nichts daran, dass es weiterhin zu nachträglichen Löschungen kommen kann – und selbst dann, wenn Amazon das nicht wollte.

Darauf weist die Free Software Foundation (FSF) hin, die sich nicht zum ersten Mal mit den entscheidenden Nachteilen des Digital Rights Management (DRM) auseinandersetzt. FSF-Chef Peter Brown begrüßt die Entschuldigung, hält aber echte Maßnahmen unverzichtbar für eine akzeptable E-Book-Kultur:

„Leider reicht es in dieser Angelegenheit nicht, die internen Richtlinien zu ändern. Das echte Problem besteht darin, dass Amazon DRM und proprietäre Software einsetzt. Sie haben eine nicht zu akzeptierende Macht über die Benutzer, und wenn sie wirklichen Respekt ausdrücken wollen, dann braucht es mehr als eine Entschuldigung. Es erfordert vielmehr, dass sie DRM aufgeben und die Kindle-Software als freie Software veröffentlichen.“

Tatsächlich war die Löschung der Orwell-Bücher nicht die erste Demonstration der Kontrolle über die Benutzer, die die Software ermöglicht. Im Juni erlaubte sich Amazon bereits die Fernlöschung von Ayn-Rand-Büchern. Zuvor wurde die Sprachausgabe-Funktion für bestimmte Titel deaktiviert, was insbesondere sehbehinderte Käufer als einen Schlag ins Gesicht empfanden.

Professor Jonathan Zittrain von der Harvard Law School weist darauf hin, dass jedes Gerät potenziell gefährlich ist, das Eingriffe in die Mediennutzung der Benutzer erlaubt. Er hält drahtlos angebundene Geräte wie Amazons E-Book-Reader Kindle für „ein Geschenk für Regulatoren“. Regierungen in manchen Teilen der Welt könnten das ohne Weiteres nutzen, um beanstandete Sätze oder Kapitel in bestimmten Büchern zu löschen:

„Es könnte zuerst in Ländern mit einer Rechtsprechung wie in Großbritannien geschehen, in denen Verleumdungsklagen sehr viel häufiger sind und es nicht eine so ausgeprägte Tradition des ersten Verfassungszusatzes gibt.“

Die FSF bereitet eine Unterschriftenaktion vor und ruft Bibliothekare, Verleger und bekannte Autoren zur Unterstützung auf. Amazons 1984-Affäre rief zugleich die Aktivisten der Anti-DRM-Kampagne Defective by Design auf den Plan. Sie empfahlen, auf die Produktseite des Amazon Kindle zu gehen und Kundenrezensionen mit nur einem Stern zu hinterlassen. Über 650 Rezensionen mit dieser niedrigstmöglichen Bewertung kamen bereits hinzu.

Zuvor hatte Defective By Design Amazon sogar als positives Beispiel für DRM-freie Musik gewürdigt. John Sullivan von der Free Software Foundation: „Wir hoffen, dass diese Kontroverse Amazon zeigt, dass sie an E-Books in der gleichen aufgeklärten Weise herangehen müssen, damit Kindle-Benutzer darauf vertrauen können, nicht wieder ausgetrickst zu werden.“

(bk)

Zum Thema bei TecZilla:

Amazon und die Orwell-Affäre

E-Books: Verlage in Piraten-Panik

Zum Thema im Web:

Free Software Foundation

DefectiveByDesign.org

New York Times

Screenshot: Amazon

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