Medienlese liest nicht mehr
Von Bernd Kling am 27. April 2009
Schade drum, der eingestellte Blog war lesenswert. Verleger und Schreiber verabschieden sich mit klugen Erkenntnissen.
Medienlese.com reizte auch mich, alle paar Tage reinzulesen, ich blieb fast immer hängen und folgte einigen Links. Verleger Peter Sennhauser beschäftigt sich zum Abschied mit der Medienkrise und formuliert erfreulich besonnen und mit Durchblick “Fünf Thesen zum Umbruch”. Es ist zum Glück auch weit weg von all dem Piratengedöns, diesen unerträglichen Schaukämpfen um Urheberrechte und angeblich fehlende Leistungsschutzrechte, mit denen manche Verleger ihre Hilflosigkeit kundtun, kalt erwischt inmitten dieser digitalen Umbrüche, die so unerwartet über sie kamen.
These eins besagt schlicht und einfach: Das Gatekeeper-Gechäftsmodell der Medien- und insbesondere der Zeitungsbranche ist gefallen, das bedingt war durch die hohen Investitionen in Druckmaschinen und Distribution. Über die Zwischenpunkte kommt Sennhauser zu These fünf: Die Mediaagenturen sind die neuen Gatekeeper, da sie am ersten Werbeziel “Reichweite” festhalten, ganz entgegen den Interessen ihrer Auftraggeber. Die Werbeagenturen hätten kein Interesse an neuer Vielfalt und wirksamen Nischen und schützten auch nur ihr Geschäftsmodell. Alternativen Fehlanzeige: “Von den funktionierenden Modellen wie Google Adwords kann leider – außer Google – noch niemand leben.”
“Man mag es nun für einen Treppenwitz halten, dass wir, die wir vom Medienwandel und vom Internet so viel geschrieben haben, auch kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben”, fällt Schreiber Ole Reißmann (“schade um die netten Leser”) ein, ohne groß zu lamentieren. Die Einstellung des Prestigeobjekts sei “bedauerlich, aber sicher kein Desaster”.
(bk)
Medienlese: Fünf Thesen zum Umbruch







